9.Mai 2018

Neblig und grau fängt dieser Tag an. Nach dem Frühstück  buche ich uns für Freitag im Spa Massagen. Ich freue mich jetzt schon. Heute Morgen fanden wir beide wir hätten schwere Beine. Ob es an den vielen Treppen liegt, die wir tags zuvor erklommen sind um dann wieder hinabzusteigen? Oder liegt’s am feuchten Wetter, dass die Luft heute besonders schwer und drücken wirken lässt?

Erst geht es hinten hinab nach Tonda, dem ehemals verlassenen Dörfchen, das liebevoll restauriert zu einer Hapimag Siedlung wurde. Man merkt, dass hier die Mehrbesseren ihre Ferien verbringen. Schön, jedoch schon fast kitschig ist es. Dennoch cool, dass hier für jedermann/Frau Ferien möglich ist.

Anschliessend fahren wir in den Süden. An Siena und vielen wunderschönen sanften und von grünem Weizen überwachsenen Hügeln. Die Toskana, wie man sie von Postkarten her kennt. Zu gerne würde ich Richtung Pienza fahren und Photos schießen. Aber zum einen hätten wir ganz früh hiersein müssen, um das perfekte Licht einzufangen und zum anderen türmen sich Wolken am Himmel. Da wo es besonders schön wäre, kann man jedoch mit dem Auto anhalten. So muss ich wohl mal wiederum diese Jahreszeit herkommen und mich in der Nähe von Pienza niederlassen für meine Perfekten Toskanabilder.

Wir fahren an bekannten Orten vorbei, Bonconvento zum Beispiel, das unten in der Ebene liegt, diesmal jedoch viel belebter wirkt. Wir lassen dieses jedoch rechts liegen und fahren hinauf nach Montalcino. Noch immer trotzt das Castell vor der Ortschaft und wirkt auch heute noch sehr beschützerisch. In den Gassen tummeln sich viele Amis, Deutsche und ein Polnischer Reisebus hat sich auch hierher verirrt. 

Wie immer wird einem überall der Brunello zum Degustieren angeboten, manchmal nur mit Grissini und manchmal mit einem Touristenmenu. In einer Dunkeln, aber gemütlichen Enoteca servieren sie grade Bruschetti. Es ist Mittagszeit und es riecht unverschämt gut aus allen Häusern. Irgendwoher verfolgt mich der Duft von Trüffel und Käse und ich träume von einem Crostini mit überbackenem Trüffelkäse. 

Wie immer jedoch, wenn wir in Montalcino sind, streikt mein Mann. Dennoch schaff ich es noch in einem Bioladen etwas von dem edlen Rebgetränk zu probieren. Ich weiß, wie sehr meine Mutter den Brunello liebt und ich kauf ein Flascherl, als Dankeschön fürs Katze-und Haushüten. Gar nicht einfach, unter dem reichhaltigen Angebot was zu finden. Ok, einige sehr sehr teure Flaschen, fallen eindeutig weg. Endlich werde ich fündig und nehm gleich zwei Flaschen, schließlich will ich mittrinken. 

Auf dem Weg hinab, meint Michael dann plötzlich, lass uns noch bei einem der Cantinas hier anhalten. Vielleicht gibt es da was zu essen...wiederum nur Grissini und ich bin um nochmals 3 Flaschen Brunello reicher. Dem nahenden Gewitter fahren wir davon.

Wir fahren wieder gegen Norden und Michael fragt nach meinen Notfallcrackern. Konnte er den nicht oben in Montalcino mit mir ein Crostini geniessen? Jetzt sind wir wieder 1 Stunde unterwegs und das trockene Crackerzeug macht mich nicht grad glücklich.

Auf halber Strecke fahren wir von der schrecklich holprigen und eingekesselten Tangenziale ab und hinauf nach Monteriggioni, der Stadt mit den noch 11 von 14 erhaltenen Türmen und der noch vollständigen Stadtmauer. Oft von den Touristen wegen San Gimignano und Sienna vernachlässigt. Sie ist klein, fein und wirklich einzigartig. 

Michael und ich sind nun soweit unterzuckert, dass wir etwas kurzangebunden miteinander umgehen. So will Michael auch gleich in die nächstgelegene Gelateria, die sinnlos von Schulkindern überfüllt ist. Ich streike, den ich brauch was salziges. Drei Häuser weiter finden wir ein etwas ruhigere Pizzeria/Gelateria/Restaurant, dass mir meine Sehnsucht nach einem Crostone 4 formaggi ai tartuffi con prosciutto erfüllt. Dazu ein Bier und wir zwei werden wieder redseliger: 

Michael:“ Die Oberfranken aus dem Agriturismo, unsere Tischnachbarn, kämen wohl nie auf die Idee hierher zu kommen“. Ich: „Vertue dich nicht, die Frau hat bestimmt ihren Baedeker auswendig gelernt.“ Wir grinsen... das muss einfach in den Blogg... den wer die Frau kennengelernt hat, weiss, dass da alles vorgebucht und recherchiert ist. Jemand der 5 Tage in Florenz damit verbringt Museen abzuklappern und sich an biblischen Bildern ergötzt, hat wohl auch ein gescheites Reisebuch studiert.

Die Runde im Städtchen ist schnell gemacht. Wir kaufen noch Fagioli ein... kleine weisse Bohnen, die leider bei uns im Agriturismo nicht auf der Karte stehen.  Michael verspricht, sie für mich zuzubereiten. 

Der Heimweg zieht sich und wir vermissen beide unser Nachmittagspäuschen. Unterwegs halten wir noch bei einer Gärtnerei und hoffen, dass sie eventuell ein Zitronenbäumchen für Michael haben.... nicht, dass wir nicht bereits genug hätten... sie Habenzinsen sogar mehrere Sorten. Michael entscheidet sich für eine Cedro Zitrone mit dicker Schale, welche man eher für Zitronat benutzt, den für ihren Saft. So eine haben wir noch nicht.

Nun regnet es leicht hört aber just auf, als wir vor unserem Castellare halten. 
Es bleibt noch eine halbe Stunde bis zu unserem Abendbrot. Michael nimmt frittierte Käsepastataschen und anschliessend eine Artischocken-Spargelfritata, ich entscheide mich für Pici mit Steinpilzen und Caramelle mit Sizilianischen Gemüse. Ich bin etwas enttäuscht, die Pici sind leider nicht wirklich so, wie ich verwöhnte es gewohnt bin.

Wir ergehen uns in einem Disput, der damit endet, dass wir uns einigen, dass ich einen viel verwöhnteren Gaumen hab, das Essen jedoch ganz ok ist. Dennoch, wegen dem Essen würd ich hier nicht mehr herkommen. Ich finde, die gehen hier zu sehr auf Nummer sicher, um den Deutsch/Schweizerisch/ Britischen Geschmäckern gefallen zu wollen. Gut ist es, ja, aber nicht hervorragend. Die Desserts und Kuchen sind ganz gut.

Kaum haben wir den Hauptgang durch, werden wir von dem Oberfränkischen Paar in ein Gespräch verwickelt, dabei hat uns ja schon fast unser Bett gerufen... sprich, mein Blog will ja auch noch gefüllt werden. So gönn ich mir dann halt doch noch ein hausgemachtes Panna Cotta, ein Espresso und einen Grappa....

Im Dunkeln geht es dank Handytaschenlampe zu Fuss wieder hinauf ins Castellare. 

So, Blog für heute beendet.... gute Nacht, pfüet Eich, habt‘s Euch wohl und Bonanotte,



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